Sexismus in der Kommunalpolitik

Frauen und weiblich gelesene Personen in ihrer Vielfalt machen über die Hälfte der Bevölkerung aus, sind jedoch in der Kommunalpolitik deutlich unterrepräsentiert. Weniger als ein Drittel der Mitglieder deutscher Kommunalparlamente sind Frauen. Ein Grund dafür ist, dass viele Frauen zögern, überhaupt in die Politik zu gehen, oder aber ihre Mandate nach einiger Zeit wieder niederlegen. Nicht wegen mangelnden Interesses oder fehlender Kompetenzen, sondern weil sie auf strukturelle Hürden und gewachsene Netzwerke stoßen, die ihre Perspektiven und Bedürfnisse unzureichend berücksichtigen. Frauen, die kommunalpolitische Ämter innehaben, berichten vermehrt von Sexismus, Diskriminierung sowie politischen Strukturen, die ihre Arbeit erschweren.
Kommunalpolitik ist zentral für demokratische Teilhabe
Kaum irgendwo ist der Gestaltungsspielraum für Politiker*innen so unmittelbar und wirkungsvoll wie auf kommunaler Ebene. Von Stadt- und Verkehrsplanung über kulturelle Angebote bis hin zu sozialen Dienstleistungen. Viele Bereiche des alltäglichen Lebens werden hier verhandelt und entschieden. Damit Demokratie lebendig und widerstandsfähig bleibt, braucht es die Beteiligung von Menschen mit möglichst vielfältigen Perspektiven, Hintergründen und Lebensrealitäten.
Sich ständig selbst zu wehren, kann ausbrennen
Sexismus zu erleben und immer wieder Kraft dafür aufbringen zu müssen, selbstbewusst aufzutreten, um Grenzen zu setzen, ist auf Dauer belastend und kann sogar krankmachen. Zwar können Trainings zum Umgang mit sexistischen Situationen hilfreich sein. Dennoch darf es nicht allein Aufgabe der Betroffenen sein, Sexismus zu verhindern oder zu beenden.
Speak-up-Kultur und Active Bystanding – Solidarität hat viele Namen
Früher oder später erleben wir alle Situationen, in denen Menschen aufgrund ihres Geschlechts abgewertet, ausgegrenzt oder unangemessen behandelt werden. Dann stehen wir plötzlich vor der Entscheidung: Greifen wir ein und werden zu aktiven Beobachtern? Oder schauen wir weg und bleiben passiv? Meistens passiert die Grenzüberschreitung schnell und bevor man sich überlegt hat, was man tun kann, ist es schon passiert.
Was bringt Active Bystanding?
Aktives Eingreifen sendet ein klares Signal an die Person, von der der Sexismus ausgeht: Dieses Verhalten ist inakzeptabel. Werden solche Signale in einer Gemeinschaft regelmäßig gesetzt, können sie dazu beitragen, Normen zu verändern, Grenzen des Akzeptablen zu verschieben und sexistisches Verhalten nachhaltig einzudämmen.
Zu lernen, sexistische Situationen zu erkennen und angemessen sowie sicher zu reagieren, ist eine zentrale Kompetenz. Sichere Intervention kann dabei viele Formen annehmen: ein missbilligender Blick, das Unterbrechen oder Umlenken einer Situation, das bewusste Nicht-Mitlachen bei sexistischen Witzen, ein klärendes Gespräch mit einem Parteikollegen oder, wenn nötig das Hinzuziehen weiterer Personen.
Aus der Arbeit im Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“ wissen wir: Sexismus muss strukturell und gesamtgesellschaftlich bekämpft werden. Gleichzeitig sind es oft die scheinbar kleinen, alltäglichen Situationen, die darüber entscheiden, ob jemand ein kommunalpolitisches Amt weiter ausübt oder nicht. Fühle ich mich sicher unter meinen Kolleg*innen? Greifen sie ein, wenn Grenzen überschritten werden, oder bleibe ich allein? Viele Betroffene wünschen sich genau in diesen Momenten Unterstützung: jemanden, der einschreitet und nicht wegschaut.
Das Bündnis „Gemeinsam gegen Sexismus“ bietet auf seiner Website vielfältige kostenlose Materialien mit Tipps und Hinweisen gegen Sexismus – für Betroffene sowie für Personen, die aktiv gegen Sexismus eingreifen wollen.
Die Materialien finden Sie hier: https://gemeinsam-gegen-sexismus.de/
Bei Fragen wenden Sie sich an
Laura Giardina
Kontakt
Wenden Sie sich gerne an die zuständige Ansprechperson:
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Senior Expert

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