Femtec: Eine Erfolgsgeschichte – und ihr Weiterwirken

Mehr als zwei Jahrzehnte lang hat Femtec Frauen in MINT gestärkt, Netzwerke aufgebaut und Wege in Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung eröffnet. Mit dem Ende der Organisation im April 2026 schließt sich ein wichtiges Kapitel – ihre Impulse, Erfahrungen und Verbindungen wirken jedoch weit über diesen Moment hinaus. Ein Blogbeitrag von Femtec-Geschäftsführerin Marion Zeßner.
Ein Abschied mit großer Wirkung
Seit 2001 hat Femtec als Pionierin für Frauen in MINT ein einzigartiges Netzwerk zwischen weiblichen MINT-Talenten, führenden technischen Universitäten und Hochschulen sowie international tätigen Technologieunternehmen aufgebaut. Damit hat Femtec Gleichstellung in den MINT-Fächern nicht nur thematisiert, sondern ganz praktisch vorangebracht.
Nach vielen erfolgreichen Jahren endet die Femtec als Organisation zum Ende April 2026. Das ist ein Einschnitt – und zugleich ein Anlass, auf eine besondere Entwicklungsgeschichte zurückzublicken. Femtec hat nicht nur Frauen in MINT-Berufen gestärkt, sondern starke Netzwerke geschaffen und bestehende Strukturen nachhaltig verändert.
Der Abschied von Femtec ist deshalb mehr als das Ende einer Organisation. Er ist auch ein Moment der Würdigung: für eine Arbeit, die über viele Jahre Perspektiven eröffnet, Selbstvertrauen gestärkt und neue Verbindungen zwischen Hochschulen, Unternehmen und Talenten geschaffen hat.
Die Themen, für die Femtec steht, wirken weiter – in beruflichen Laufbahnen, in gewachsenen Netzwerken und neuen Kontexten, in denen diese Arbeit fortgeführt werden kann.
Die Gründung der Femtec
Die Entstehung von Femtec war eng mit einer klaren Problemlage verbunden. An der TU Berlin war der Anteil von Studentinnen in vielen MINT-Studiengängen sehr niedrig: In der Elektrotechnik lag er bei unter 10 Prozent, in Informatik und Maschinenbau bei unter 20 Prozent. Hinzu kamen hohe Studienabbruchquoten, eine deutlich höhere Arbeitslosigkeit unter Ingenieurinnen und Informatikerinnen, weniger Berufspraxis sowie niedrigere Einstiegspositionen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen. Gleichzeitig fehlte es an Sichtbarkeit für Frauen in MINT – und damit auch an Vorbildern.
Vor diesem Hintergrund entstand die Idee für ein studienbegleitendes Career-Building-Programm auf Basis der in der EAF Berlin erfolgreich erprobten Ansätze zur Entwicklung des weiblichen Fach- und Führungskräftenachwuchses, das mehrere Ziele zugleich verfolgte: MINT-Studentinnen sollten sich studienübergreifend vernetzen, Schlüsselqualifikationen für ihre berufliche Zukunft erwerben und bereits während des Studiums Kontakte zu potenziellen Arbeitgebern knüpfen können.
Zugleich ging es darum, erfolgreiche Ingenieurinnen und Naturwissenschaftlerinnen sichtbar zu machen – nicht nur als Vorbilder für die Teilnehmerinnen selbst, sondern auch, um MINT-Studiengänge für junge Frauen insgesamt attraktiver zu machen.
Ein Beispiel dafür waren die „Try-it-Schülerinnen-Workshops“ an der TU Berlin, die Femtec von 2001 bis 2016 durchgeführt hat. Sie ermöglichten Schülerinnen praktische Einblicke in technische und naturwissenschaftliche Studien- und Berufsfelder und machten MINT-Berufe frühzeitig erlebbar.
Die Gründung: ein neues Modell
Aus dieser Idee heraus wurde Ende 2000 die Femtec GmbH gegründet. Gesellschafterinnen waren die EAF Berlin und die TU Berlin, Geschäftsführerin war Dr. Helga Lukoschat.
Das Geschäftsmodell war als Private-Public-Partnership zwischen Hochschulen und Unternehmen angelegt: Universitäten schrieben das Programm für ihre Studentinnen aus und wählten die Teilnehmerinnen aus. Unternehmen wiederum finanzierten die Femtec über Jahresbeiträge und erhielten die Möglichkeit, die Teilnehmerinnen frühzeitig kennenzulernen – ebenso wie die Studentinnen Einblicke in potenzielle Berufsfelder und Arbeitgeber gewinnen konnten.
Im Juni 2001 startete schließlich der erste Kurs mit 20 Studentinnen der TU Berlin. Zu den ersten Partnerunternehmen gehörten Boston Consulting Group, DaimlerChrysler AG, Porsche AG, Siemens AG und Wintershall AG. Schon dieser erste Kurs machte sichtbar, welches Potenzial in dem Ansatz lag: Karriereförderung, Vernetzung und Praxisbezug nicht erst nach dem Studium zu denken, sondern von Beginn an zusammenzubringen.
Wachstum und Meilensteine
Schon in den ersten Jahren entwickelte sich Femtec dynamisch weiter. Im Jahr 2003 wurde die Femtec GmbH durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert. Ein wichtiger Meilenstein folgte im April 2006: Nach Auslaufen der Modellförderung durch das BMBF und der Aufnahme weiterer führender technischer Universitäten und Technologie-Unternehmen konnte sich das Femtec Network aus eigenen Mitteln tragen. Das war ein starkes Signal für die Stabilität und Relevanz des Modells. Ein besonders nachhaltiger Schritt war im August 2008 die Gründung des Femtec.Alumnae e.V. durch ehemalige Teilnehmerinnen des Career-Building-Programms. Seit 2025 trägt der Verein den Namen CURIA e.V. Zwischen 2018 und 2023 wurden 19 Preisträger*innen mit dem Femtec Award in den Kategorien Leadership, Innovation und Social Impact ausgezeichnet. Im Career-Building Programme kooperierten bis Ende 202313 Partnerunternehmen mit 10 technischen Universitäten. Im Programm „Career-Building Elements“ für MINT-Studentinnen an technischen Hochschulen kamen 9 Partnerunternehmen und 6 Hochschulen zusammen.
Wirkung, die über Programme hinausgeht
Seit 2000 hat Femtec ein außergewöhnliches Netzwerk engagierter und talentierter MINT-Frauen, international tätiger Technologieunternehmen sowie führender technischer Universitäten und Hochschulen aufgebaut.
Mehr als 1.700 Alumnae haben seit 2001 zahlreiche Workshops und Trainings zu ihrer Karriereentwicklung im Rahmen von 51 Schools an der TU Berlin absolviert. Im Rahmen des Studienorientierungsprogramms „Talent Take Off“ in Kooperation mit der Fraunhofer-Gesellschaft wurden in 55 Veranstaltungen knapp 1.800 Schüler*innen und Studienanfängerinnen erreicht.
Insgesamt nahmen an den Femtec-Programmen seit 2001 mehr als 3.500 Menschen mit Begeisterung für MINT-Themen teil.
Doch die eigentliche Wirkung von Femtec lässt sich nicht nur an Zahlen ablesen. Sie zeigt sich auch in Lebensläufen, Karrierewegen und in der Selbstverständlichkeit, mit der ehemalige Teilnehmerinnen heute Verantwortung in Wissenschaft, Wirtschaft oder Verwaltung übernehmen.
Viele Alumnae wirken heute als weibliche Role Models in MINT und gestalten Teams, führen Projekte, treffen Entscheidungen und tragen dazu bei, dass Gleichstellung in ihren Organisationen nicht abstrakt bleibt, sondern konkret gelebt wird.
Über 1.000 Frauen engagieren sich zudem im CURIA e.V. Dort lebt der Geist weiter, der Femtec über Jahre geprägt hat: vertrauensvoller Austausch, gegenseitige Unterstützung und die Erfahrung, Teil eines starken Netzwerks zu sein.
Vielleicht liegt genau darin eines der wichtigsten Vermächtnisse von Femtec: nicht nur Programme entwickelt zu haben, sondern Räume, in denen Mut, Orientierung und Solidarität wachsen konnten.
Warum Femtec endet
Seit 2024 kam es zu zahlreichen Ausstiegen von Partnerunternehmen und Partneruniversitäten. Damit verlor das bisherige Geschäftsmodell langfristig seine wirtschaftliche Tragfähigkeit. Um das Risiko einer Insolvenz zu vermeiden, beschlossen die Gesellschafter im Femtec-Aufsichtsrat 2025, alle Programme der Femtec auslaufen zu lassen und die Organisation zum Ende April 2026 aufzulösen.
Diese Entscheidung markiert einen tiefen Einschnitt. Zugleich macht sie deutlich, dass auch erfolgreiche Modelle auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren müssen. In diesem Sinne ist das Ende von Femtec nicht nur ein Schlusspunkt, sondern auch ein Übergang.
Was bleibt – und was weitergeht
Femtec endet als Organisation, aber nicht als Idee. Die Fragen, die Femtec von Anfang an bewegt haben, sind weiterhin aktuell: Wie gewinnen wir mehr Frauen für MINT? Wie begleiten wir sie auf ihrem Weg? Wie schaffen wir gerechtere Zugänge, mehr Sichtbarkeit und bessere Strukturen in Wissenschaft und Wirtschaft?
Die Antworten darauf werden künftig in anderen Kontexten, Partnerschaften und Formaten weiterentwickelt werden. Dass dies möglich ist, liegt auch daran, dass Femtec über viele Jahre Grundlagen geschaffen hat – fachlich, institutionell und persönlich.
Ein Teil dieses Weiterwirkens liegt im Netzwerk selbst: in den Alumnae, in den Partnerinstitutionen und in den Menschen, die Femtec aufgebaut, getragen und weiterentwickelt haben. Ein anderer Teil liegt in den Erfahrungen, die nun in neue Trägerschaften und künftige Programme einfließen können.
Eine persönliche Würdigung
Eine Organisation wie Femtec lässt sich nicht nur über Programme, Kennzahlen oder Strukturen beschreiben. Sie ist immer auch mit den Menschen verbunden, die sie geprägt haben: mit den Studentinnen, die sich auf Neues eingelassen haben, mit den Alumnae, die das Netzwerk weitergetragen haben, mit Partner*innen in Universitäten, Hochschulen und Unternehmen und mit all jenen, die diese Arbeit über viele Jahre mit Überzeugung gestaltet haben. Für viele war Femtec ein Ort des Aufbruchs.
Die Femtec wurde ein Ort, an dem aus ersten Kontakten tragfähige Netzwerke wurden. Ein Ort, an dem aus Unsicherheit Selbstvertrauen entstehen konnte. Und ein Ort, an dem deutlich wurde: Frauen in MINT sind nicht die Ausnahme, sondern die Zukunft. Gerade deshalb soll dieser Rückblick nicht nur Bilanz sein, sondern auch Würdigung. Vielleicht war Femtec für manche das erste Mal, in einem beruflichen Kontext zu erleben: Ich gehöre hierher. Ich werde gesehen. Ich bin mit meinen Fragen, Ambitionen und Erfahrungen nicht allein.
Was bleibt, ist eine eindrucksvolle Geschichte
Mit dem Ende von Femtec geht eine prägende Organisation für Frauen in MINT zu Ende. Was bleibt, ist eine eindrucksvolle Geschichte über Vernetzung, Förderung und strukturellen Wandel.
Femtec hat Karrieren begleitet, Austausch ermöglicht und Gleichstellung in MINT über viele Jahre mitgestaltet. Der Abschied fällt nicht leicht. Aber er lenkt den Blick auch auf das, was weiterträgt: die Alumnae, die Kooperationen, die Erfahrungen – und die Ideen, die in neuen Zusammenhängen weiterwirken werden.
Testimonials:
Rosa Meckseper, heute Managing Director B&R Germany | A Member of the ABB Group – Teilnehmerin des Programms an der TU Berlin (2002 - 2006)
„Femtec hat meine natürliche Neugier und meinen Wissensdrang bestärkt und mir gezeigt, wie wertvoll es ist, Fragen zu stellen und groß zu denken. An der TU Berlin – damals die erste und einzige Mitgliedsuniversität – habe ich ein zweites Zuhause gefunden: intensive Jahre mit 20 gleichgesinnten, inspirierenden MINT-Studentinnen: ein lebendiges Netzwerk, voller Austausch, Wachstum und neuer Perspektiven. Hervorheben möchte ich auch die sehr zugewandte Art von Sonja Roth, deren Haltung und Verständnis von Leadership einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Ebenso eindrücklich war die Erfahrung mit Heike Tyrtania von der Daimler AG, die meinen Lebenslauf kurzerhand mit nach São Paulo in die Nutzfahrzeugproduktion nahm. Dieser Moment hat mir eindrucksvoll gezeigt, dass Möglichkeiten dort entstehen, wo Menschen an andere glauben. In Verbindung mit den außergewöhnlich spannenden Unternehmenspartnern von Femtec – etwa Daimler Truck, Telekom, Porsche, ABB, BCG oder der Wintershall – habe ich viele wertvolle, interne Einblicke gewonnen und vor allem eines mitgenommen: Vertrauen in den eigenen Weg, positive Energie und den Mut, wirklich groß zu denken. Heute trage ich diese Haltung weiter – als Geschäftsführerin in einem Femtec Mitgliedsunternehmen.“
Denise Helwerth, Teilnehmerin des Femtec-Kurs 12 (2009-2011) und heute Director Digital Transformation Robert Bosch GmbH -
„Wir schreiben das Jahr 2007. Ich sitze – zusammen mit 200 anderen, hauptsächlich männlichen Studenten – im Hörsaal der Universität Stuttgart im Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik, kurz vor dem Vordiplom. Und genau das ist der Moment, in dem ich zum ersten Mal von einem Career-Building-Programm und der Femtec GmbH höre. Ich bin neugierig, bewerbe mich und werde ins Programm aufgenommen.
Dann die erste School in Berlin. Ich lerne viel über Karriereplanung, Standort- und Zielbestimmung, Bewerbungstraining, alles Themen, die in einem technischen Studiengang normalerweise keinen Platz finden. Aber vor allem lerne ich eines – ich bin nicht allein. Es gibt sie, die anderen ambitionierten Frauen in Männerdomänen, ich finde die Role Models und Gleichgesinnten, die ich brauche, um meinen Weg fortzusetzen.
Nach dem Programm gibt es die Möglichkeit, in den Alumnae Verein - heute CURIA – das Netzwerk für Frauen* in MINT - einzutreten. Ich freue mich, dass es eine Möglichkeit gibt, den unglaublichen Spirit weiterzuleben. In CURIA lebt die Femtec Idee weiter – heute als Netzwerk für Frauen* in MINT, das auch Nicht-Femtec-Absolventinnen offensteht.
Heute bin ich Direktorin für Digitale Transformation bei einem ehemaligen Sponsor des Career Building Programms, habe eine kleine Tochter und arbeite Vollzeit. Außerdem habe ich letztes Jahr ein Vorstandsamt in CURIA übernommen. Das war mein Weg - nicht immer ganz einfach - aber immer mit der Gewissheit, dass es keinen Grund gibt, warum ich etwas nicht schaffen sollte, wenn es andere vor mir konnten. Dieses Selbstvertrauen und die Unbeirrbarkeit verdanke ich der Femtec GmbH.
Und heute stehe ich da mit der Erkenntnis, dass ich mittlerweile selbst zum Role Model für andere Frauen geworden bin. Und das macht mich unglaublich stolz.“
Kontakt
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