
Laut Antidiskriminierungsstelle des Bundes erleben Menschen am Arbeitsplatz besonders häufig Diskriminierung.
Was können wir tun, wenn im Pausenraum ein rassistischer Witz gemacht wird, wenn auf einer Betriebsfeier eine Kollegin bedrängt oder ein Teammitglied aufgrund einer Behinderung vom Teamevent ausgeschlossen wird? Oft fehlt es in Organisationen genau in diesen Momenten an Klarheit und Handlungssicherheit. An dieser Stelle setzt Awareness an: als betroffenenorientierte Form der Unterstützung nach Grenzüberschreitungen und Diskriminierungserfahrungen.
Der Begriff Awareness stammt aus dem Englischen und bedeutet Bewusstsein oder Achtsamkeit. Ursprünglich kommt Awareness aus der Antidiskriminierungsarbeit und sozialen Bewegungen, insbesondere aus feministischen und queeren Bewegungen. Im Zentrum von Awareness-Arbeit stehen die Erfahrungen von denjenigen Menschen, die von Diskriminierung betroffen sind.
Warum immer mehr Organisationen auf Awareness-Konzepte setzen
Die Grundidee eines Awareness-Konzepts ist: Ein sicherer Raum entsteht nicht von allein. Es gibt Ungleichheit in unserer Gesellschaft und damit auch in allen Räumen, in denen Menschen zusammenkommen und zusammenarbeiten. Es braucht daher Aufmerksamkeit und klare Regeln im Umgang mit struktureller Ungleichheit. Und es braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, bei Bedarf ansprechbar und entsprechend sensibilisiert sind. Ziel ist es, gemeinsam einen möglichst sicheren Raum („safer space“) zu schaffen, in dem sich alle Menschen sicher und willkommen fühlen können.
Vor diesem Hintergrund gewinnt Awareness in Organisationen zunehmend an Bedeutung. Immer mehr Unternehmen und Institutionen entwickeln eigene Awareness-Konzepte. Sie setzen genau dort an, wo im Ernstfall Orientierung fehlt: Awareness-Konzepte schaffen Klarheit darüber, was nach einer Diskriminierung oder Grenzüberschreitung passiert – wie reagiert werden kann oder soll, wer Verantwortung übernimmt und wie Betroffene unterstützt werden können.
Awareness-Konzepte verbinden dabei zwei Ebenen:
- Prävention: durch Sensibilisierung, eine klar kommunizierte Haltung und transparente sowie diskriminierungsarme Strukturen
- Intervention: durch konkrete Unterstützung von Betroffenen nach einer Grenzüberschreitung in Form eines vertraulichen Gesprächs sowie Informationen über Handlungsmöglichkeiten
Organisationen, die Awareness strukturiert umsetzen, stärken nicht nur ihre Teams und ihr Betriebsklima. Sie positionieren sich auch glaubwürdig als verantwortungsbewusste Arbeitgeber*innen, die Diversity und Chancengleichheit ernst nehmen.
Die Anwendungsbereiche von Awareness-Konzepten
Wirksame Konzepte berücksichtigen die jeweiligen Strukturen, Ressourcen und Bedarfe einer Organisation und werden kontinuierlich weiterentwickelt.
Je nach Kontext ergeben sich unterschiedliche Formen der Umsetzung:
Bei Veranstaltungen
Hier kommen häufig zeitlich begrenzte Awareness-Teams zum Einsatz. Externe oder interne, geschulte Personen sind während der Veranstaltung ausschließlich für die emotionale Erste Hilfe zuständig. Sie sind klar erkennbar, ansprechbar und bieten Betroffenen einen geschützten Rahmen für ein vertrauliches Gespräch.
In der gesamten Organisation
Viele Organisationen entscheiden sich für ein dauerhaftes Awareness-Konzept, das über einzelne Veranstaltungen hinausgeht. Mitarbeiter*innen und Führungskräfte werden qualifiziert, um zusätzlich zu ihrer regulären Tätigkeit die Aufgaben einer Awareness-Ansprechperson übernehmen zu können. Sie stehen Kolleg*innen, Kund*innen oder Gästen während der Arbeitszeit für ein Gespräch zur Verfügung.
5 Punkte, worauf es bei der Umsetzung wirklich ankommt
1. Gemeinsame Grundprämissen
Awareness-Arbeit basiert auf klaren gemeinsamen Grundprämissen. Sie bilden die Haltung und den Rahmen für die Unterstützung von betroffenen Personen: Betroffene werden konsequent ernst genommen und in ihrer Perspektive unterstützt (Parteilichkeit). Dabei liegt die Definitionsmacht bei ihnen – sie entscheiden, ob und wie eine Grenzüberschreitung stattgefunden hat. Gleichzeitig verfolgt Awareness eine empowernde Haltung, die darauf abzielt, Betroffene in ihren Handlungsmöglichkeiten zu stärken.
2. Partizipativer Prozess
Ein Awareness-Konzept lässt sich nicht „einführen“ wie ein Regelwerk. Vielmehr entsteht es in einem gemeinsamen Entwicklungsprozess. Es sollte mit unterschiedlichen Perspektiven entwickelt werden – idealerweise unter Einbezug von Mitarbeiter*innen, Interessenvertretungen und, wo möglich, Betroffenenperspektiven.
3. Schulung ist keine Option, sondern Voraussetzung
Awareness-Arbeit erfordert Wissen, Reflexion und Handlungssicherheit. Ohne fundierte Schulungen können einzelne Kolleg*innen überfordert werden oder das Konzept wird gar nicht erst umgesetzt, sondern bleibt in der Schublade liegen.
4. Awareness ist ein fortlaufender Prozess
Gesellschaftliche Kontexte, Organisationsstrukturen und Bedürfnisse verändern sich. Ein Awareness-Konzept muss daher regelmäßig überprüft, weiterentwickelt und angepasst werden.
5. Kommunikation und Sichtbarkeit
Unabhängig vom Kontext gilt: Awareness braucht Sichtbarkeit, Klarheit und Verlässlichkeit. Ein Konzept wirkt nur dann, wenn bekannt ist, dass es existiert – und wie es genutzt werden kann.
Kontakt
Wenden Sie sich gerne an die zuständige Ansprechperson:
Was ist Awareness?
Expert

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