
Demokratie, Gleichstellung und Vielfalt im Betrieb
Arbeitswelt mit Haltung: Unternehmen engagieren sich für Demokratie und Zusammenhalt
Rund um die Europawahl 2024 haben sich viele Unternehmen und Organisationen (erstmals) öffentlichkeitswirksam zur liberalen Demokratie bekannt – um in politisch und gesellschaftlich stark polarisierenden Zeiten den Unterschied zu machen. Zu dieser Zeit haben sich bundesweit zahlreiche Initiativen und Netzwerke gebildet, die sich gemeinsam gegen politisch (rechts‑)extreme oder populistische Kräfte und für solidarische Werte des Miteinanders einsetzen. Neben eigenen Wertesystemen werden dabei zunehmend auch wirtschaftspolitische Gründe genannt: Denn politische Akteure und Parteien, die die liberale Demokratie in Frage stellen oder gar abschaffen wollen, beeinflussen wirtschaftlich relevante Themen wie Fachkräftesicherung, Arbeitgeber*innenattraktivität, Standortbedingungen sowie unternehmerische Planungssicherheit negativ (Global Compact 2025).
Wirtschaft und liberale Demokratie
Deshalb sowie aus individuellen Motiven, haben sich seither auch viele Unternehmensleitungen, Aufsichtsratsmitglieder und Führungskräfte persönlich zu Wort gemeldet – für ein solidarisches Miteinander und den Erhalt einer freiheitlich demokratischen Grundordnung. Denn: Unternehmen und Organisationen sind keine isolierten Inseln, sondern immer in einen konkreten, lokalen Kontext eingebunden. Und sie sind ein Ort, an dem ganz unterschiedliche Menschen tagtäglich zusammenkommen. Der Betrieb als Lernort spielt somit eine zentrale Rolle bei der Vermittlung demokratischer Werte, der Förderung von Gleichstellung sowie der Anerkennung von Vielfalt.
„Unternehmen sind zentrale Orte unserer Gesellschaft – und viele Menschen vertrauen ihnen derzeit stärker als politischen Institutionen. Darin liegt eine große Chance, demokratische Werte im Alltag aktiv zu gestalten und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beizutragen.“
Tina Weber, Mitglied der Geschäftsführung EAF Berlin und strategische Leitung DEGIB
Lernort Betrieb: Demokratie, Gleichstellung und Vielfalt

Teilhabeorientierte Prozesse im Betrieb fördern Gleichstellung (z. B. Repräsentation oder Entscheider*innen). Gleichstellung wiederum stärkt partizipative Prozesse bzw. demokratische Werte im Betrieb (z. B. Perspektivenvielfalt), indem unterschiedliche Erfahrungen und Sichtweisen systematisch in Entscheidungen einfließen. „Eine Unternehmenskultur, die Geschlechtergerechtigkeit ernst nimmt, setzt beispielsweise auf transparente Gehaltsstrukturen, klare Karrierewege und sorgensensible Arbeitszeitmodelle.“ (Völkle 2025). Transparente Strukturen und nachvollziehbare Beteiligungsformate erhöhen zudem die Akzeptanz von Ergebnissen und das Vertrauen in betriebliche Entscheidungen.
Wer sich im Betrieb fair behandelt fühlt und teilhaben kann, überträgt diese Erfahrungen auch auf Lebensbereiche außerhalb des Unternehmens. Selbstwirksamkeit am Arbeitsplatz – also die Erfahrung, einen Unterschied zu machen – kann Gefühlen von Ohnmacht oder Fremdbestimmung entgegenwirken. „Durch Partizipation und Mitbestimmung im Betrieb werden partizipative Kompetenzen geschult und entsprechende Erwartungen (weiter-)entwickelt.“ (Kiess/Schmidt 2025: 255). Diese geschulten Kompetenzen können die Bereitschaft erhöhen, sich gesellschaftlich zu engagieren und demokratische Prinzipien aktiv zu unterstützen.
„Betriebe sind wichtige Lernorte für Demokratie, denn es ist im Arbeitsalltag erlebbar, wie Teilhabe, Gleichstellung und gemeinsame Verantwortung wirken. Wo Beschäftigte mitdenken, mitreden und mitentscheiden können, werden Potenziale freigesetzt, Motivation gestärkt und bessere Ergebnisse erzielt. So wird Demokratie konkret erfahrbar – und leistet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung unserer demokratischen Gesellschaft."
Mareike Brockmann – Leitung Group Diversity Management und DEGIB Beiratsmitglied
Die beteiligten Unternehmen
Genau hier setzt das sozialpartnerschaftliche Projekt „Demokratie und Gleichstellung im Betrieb“ an, das im Rahmen des Programms „Wandel der Arbeit sozialpartnerschaftlich gestalten“ des Europäischen Sozialfonds Plus (ESF Plus) durch die Europäische Union zusammen mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales gefördert wird.
In eigenen Modellprojekten entwickeln bundesweit zwölf Unternehmen und Organisationen, begleitet durch die EAF Berlin, Ideen und Umsetzungskonzepte, die für (mehr) demokratische Werte, Respekt und Vielfalt einstehen:
- Berliner Wasserbetriebe
- Duale Hochschule Baden-Württemberg
- Gesundheit Nordhessen Holding
- Menarini Research & Business Service
- pme Familienservice
- Städtisches Klinikum Solingen
- Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft
- StudierendenWERK BERLIN
- Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- varisano Kliniken Frankfurt-Main-Taunus
- Volkswagen Aktiengesellschaft
- WERK.E Energie-Effizienz-Beratung
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Die ersten Ansätze reichen dabei von mehr Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit in der Belegschaft schaffen, über konkrete Argumentationshilfen gegen (rechts-)populistische Parolen bis hin zur Entwicklung eigener Angebote zum Thema politische Bildung (z.B. für Führungskräfte oder Auszubildende) oder betriebseigener Demokratie-Aktionstage. Entscheidend ist für viele der beteiligten Projektgruppen, sich zunächst darüber zu verständigen, auf welchen gemeinsamen Werten die Zusammenarbeit am Arbeitsplatz beruht und welche Auswirkungen das auf die eigene Haltung und praktisches Handeln hat.
„Demokratie und Gleichstellung sind für mich kein abstraktes Prinzip, sondern gelebte Unternehmenskultur – sichtbar in fairen Chancen, respektvollem Umgang und echter Mitbestimmung. Weil Vielfalt nur dann Wirkung entfaltet, wenn alle wirklich mitgestalten können.“
Kerstin Oster – Personalvorständin Berliner Wasserbetriebe und DEGIB Beiratsmitglied
Gelebte Demokratie im Betrieb
Demokratie lebt vom Mitmachen – auch im Unternehmen. Gleichstellung und Vielfalt sind dabei nicht nur Ziele, sondern zugleich Voraussetzungen für gelebte Demokratie im Betrieb. Wenn unterschiedliche Perspektiven vertreten und gleiche Chancen in Entscheidungsprozessen gewährleistet werden, stärkt das die demokratische bzw. teilhabeorientierte Kultur und den sozialen Zusammenhalt im Unternehmen. Umgekehrt fördern demokratische, transparente Strukturen wiederum Gleichstellung, indem sie Teilhabe ermöglichen und Diskriminierung möglichst entgegenwirken. Das Ziel des Projekts, ist die Förderung der Demokratiekompetenz – für und mit Mitarbeitenden vor Ort sowie die Stärkung von Unternehmen als zentralen gesellschaftlichen Akteuren.
„Im betrieblichen Alltag wird Demokratie erlebbar. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernen Mitbestimmung, Verantwortung und Solidarität. Betriebliche Demokratie ist ein Fundament der demokratischen Gesellschaft.“
Armin Ehl – Hauptgeschäftsführer Marburger Bund Bundesverband und DEGIB Beiratsmitglied
Der Projektbeirat
Um die genannten Themen nicht nur für und mit den teilnehmenden Unternehmen zu entwickeln, sondern die Ziele des Modellvorhabens insgesamt möglichst breit zu verankern, haben wir einen übergreifenden Projektbeirat einberufen, um das Projekt beratend zu begleiten. Personen aus der Wirtschaft, Gewerkschaften und Arbeitgeber*innen-Vertreter*innen sowie der Zivilgesellschaft sind beteiligt und bereichern das Projekt mit ihrer jeweiligen fachlichen Expertise und spezifischen Branchenkenntnis.
- Mareike Brockmann, Leitung Group Diversity Management Volkswagen
- Armin Ehl, Hauptgeschäftsführer Marburger Bund Bundesverband
- Stephanie Faehling, Personalvorständin Gesundheit Nordhessen
- Stefanie Geyer, Ressortleiterin Gleichstellung beim Vorstand der IG Metall
- Isabelle Halletz, Geschäftsführerin Arbeitgeberverband Pflege
- Heike Lehmann, Politische Referentin Deutscher Gewerkschaftsbund
- Kathrin Mahler Walther, Vorsitzende der EAF Berlin
- Meret Matthes, Gewerkschaftssekretärin Gleichstellungspolitik ver.di
- Kerstin Oster, Personalvorständin Berliner Wasserbetriebe
- Susanne Preuk, Betriebsrätin Volkswagen
- Dr. Anke Stier, Geschäftsführerin Kommunaler Arbeitgeber Verband Berlin
- Sabine Thonke, Betriebsrätin Berliner Wasserbetriebe
Durch den Beirat soll der Austausch mit weiteren Unternehmen, Branchenvertreter*innen sowie entsprechenden Sozialpartner*innen befördert werden, sodass das öffentlich geförderte Projekt auch den Transferanforderungen gerecht wird und eine möglichst breite Öffentlichkeit von den entwickelten Ideen und Umsetzungskonzepten erfährt und idealerweise auch davon profitieren kann.
„Antifeminismus und Antidemokratie gehen Hand in Hand – umsowichtiger ist unser gemeinsamer Einsatz für eine offene Gesellschaft mit freien Menschen. Das ist zugleich die Voraussetzung für eine innovative und prosperierende Wirtschaft.“
Kathrin Mahler Walther – Geschäftsführende Vorsitzende EAF Berlin und DEGIB Beiratsmitglied
Quellen
Bergmann, Knut / Diermeier, Matthias / Kapteina, Benedikt D. S. / Scholz, Markus (2026): CEO-Aktivismus zum Schutz der liberalen Demokratie. Eine empirische Vermessung von Wahrnehmung und Wirkung, IW-Policy Paper, Nr. 3, Berlin / Köln https://www.iwkoeln.de/fileadmin/user_upload/Studien/policy_papers/PDF/2026/IW-Policy-Paper_2026-Wirkung-Demokratieengagement.pdf (zuletzt aufgerufen: 07.04.2026).
Global Compact (2025): Gefährdet Populismus die Wirtschaft? Hintergrundpapier, https://www.globalcompact.de/fileadmin/user_upload/Gefaehrdet_Populismus_die_Wirtschaft_-_UN_GCD.pdf (zuletzt aufgerufen: 07.04.2026).
Kiess, Johannes / Schmidt, Andre (2025): Schützt demokratische Selbstwirksamkeit im Betrieb gegen Rechtsextremismus? Ein Vergleich zwischen Ost und West sowie 2020 und 2024, Ausgabe 04/2025, DOI: 10.5771/0342-300X-2025-4-253.
Völkle, Hanna (2025): Gleichstellung im Betrieb: Warum Demokratie in der Arbeitswelt Frauen stärkt, Blogbeitrag, https://www.eaf-berlin.de/was-uns-bewegt/blog/blogbeitrag/gleichstellung-im-betrieb-warum-demokratie-in-der-arbeitswelt-frauen-staerkt (zuletzt aufgerufen: 07.04.2026).
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