Zeit für Wandel: Wie Zeitpolitik gesellschaftliche Transformation mitgestalten kann

Wie wir unsere Zeit verbringen und verteilen, ist nicht nur eine individuelle Frage. Arbeitszeit, Sorgearbeit und verfügbare freie Zeit hängen eng mit gesellschaftlichen Ungleichheiten zusammen – und können zugleich eine Rolle für Gesundheit und Klima spielen. Im neuen Forschungsprojekt „Zeit für Wandel“ untersucht die EAF Berlin gemeinsam mit der Wirtschaftsuniversität Wien, welche Bedeutung Zeitpolitik für die sozial-ökologische Transformation hat.
Zeit als Frage gesellschaftlicher Gerechtigkeit
Ausgangspunkt des Projekts ist das Konzept der Zeitgerechtigkeit. Im Fokus steht insbesondere die Frage, welches Verständnis von Arbeit – bezahlt und unbezahlt – aktuellen Debatten über Arbeitszeit, „mehr Arbeit“ und Teilzeit zugrunde liegt.
Denn wie viel Zeit Menschen für Erwerbsarbeit, Sorgearbeit, Erholung oder gesellschaftliche Teilhabe zur Verfügung haben, ist unterschiedlich verteilt. Ungleichheiten etwa mit Blick auf Geschlecht, prekäre Beschäftigung oder altersgerechtes Arbeiten werden in Debatten über Arbeitszeit jedoch häufig nicht ausreichend berücksichtigt.
„Zeit für Wandel“ knüpft an eine Vorstudie an, die das Projektteam 2023/24 für Österreich durchgeführt hat. Darin wurden klimafreundliche und gesundheitsfördernde Aspekte von Zeitwohlstand sowie Ansätze einer Zeitpolitik für ein gutes Leben innerhalb planetarer Grenzen untersucht.
Perspektiven aus dem Arbeitsalltag im Mittelpunkt
Im Projekt werden zunächst bestehende Erkenntnisse aus der Forschung zusammengetragen. In Fokusgruppen kommen anschließend Arbeitnehmer*innen selbst zu Wort: Welche Bedeutung hat Zeit für ihren Alltag? Und welche Zusammenhänge sehen sie zwischen der Verteilung von Zeit und Themen wie Klimaanpassung, chronischen Krankheiten, Stress oder Einsamkeit?
Die Ergebnisse werden mit Expert*innen aus Wissenschaft, Praxis und Arbeitszeitpolitik diskutiert und eingeordnet. So sollen Perspektiven sichtbar werden, die in den gängigen Debatten über gesellschaftlichen und sozial-ökologischen Wandel bislang wenig Beachtung finden.
Das Forschungsprojekt läuft von 2026 bis 2027 und wird von EAF-Senior-Expert Hanna Völkle geleitet. Projektpartner*innen sind Ass. Prof. Dr. Corinna Dengler, Nora Dornis und Lukas Heck von der WU Wirtschaftsuniversität Wien.
Weitere Informationen zum Projekt und zu den bisherigen Publikationen finden Sie auf unserer Projektseite.




