Deutschland diskutiert über die erste Abgeordnete mit Baby am Redepult; die Bundestagspräsidentin fordert bessere Vereinbarkeit im Bundestag. Doch auch in der Kommunalpolitik fehlen oft Strukturen, um politisches Engagement und Sorgeverpflichtungen zu vereinbaren, wären aber besonders notwendig, denn der Frauenanteil liegt im Schnitt nur bei ca. 30 %. Viele Kommunen haben bereits gute Lösungen gefunden – doch diese bleiben häufig Einzelfälle. Mit dem neuen Planer für eine bessere Vereinbarkeit von Familie, Beruf und kommunalpolitischem Ehrenamt bietet die EAF Berlin, gefördert vom Bundesfrauenministerium, erstmals eine systematische und übertragbare Herangehensweise, um kommunale Strukturen familienfreundlicher und vielfältiger zu gestalten. Damit wird möglich, was bisher gefehlt hat: Gute Erfahrungen anderer Kommunen systematisch übernehmen und an die eigenen Bedingungen anpassen.
Vom Wissen ins Handeln kommen
Der Planer baut auf der EAF-Studie „Mit Kind in die Politik“ auf, die erstmals gute Praktiken aus verschiedenen Kommunen in Deutschland analysiert hat. Diese Erkenntnisse wurden jetzt in ein praxisnahes Werkzeug übersetzt, das Kommunen hilft, ihre eigenen Rahmenbedingungen zu prüfen und gezielt anzupassen. „Viele Kommunen haben bereits erprobt, wie Vereinbarkeit im politischen Alltag besser gelingen kann – durch familienfreundliche Sitzungszeiten, Kinderbetreuung, hybride Formate beispielsweise. Doch diese guten Beispiele bleiben oft auf einzelne Orte beschränkt“, so Autorin Cécile Weidhofer von der EAF Berlin. „Wir wollen diese Lücke schließen. Der Planer zeigt, wie sich erfolgreiche Ansätze anderer Kommunen auf die eigene Realität übertragen lassen.“ Er bündelt Erfahrungen, Praxisbeispiele und Erkenntnisse aus Gesprächen mit Kommunalpolitiker*innen und übersetzt sie in konkrete Checklisten und Reflexionsfragen.
Werkzeug für alle, die Strukturen gestalten
Der Planer richtet sich an alle, die in Verwaltung oder Politik Verantwortung tragen und Strukturen mitgestalten. Er hilft, zentrale Fragen zu klären: Was ist der gesetzliche Rahmen in meiner Kommune? Wie sorge ich dafür, dass kommunalpolitische Arbeit familienfreundlich wird? Wo gibt es Handlungsbedarf und welche Ressourcen haben wir? Jede Kommune, jede Fraktion oder Partei kann und soll selbst entscheiden, welche Themen aktuell Priorität haben, wo es Handlungsbedarf gibt und welche Ressourcen zur Verfügung stehen. Ziel ist es, passende Maßnahmen direkt anzugehen – Schritt für Schritt, im eigenen Tempo und mit Blick auf die jeweilige Realität vor Ort. „Veränderung ist möglich, wo der politische Wille da ist. Mit dem Planer geben wir Kommunen ein Werkzeug in die Hand, um Vereinbarkeit gezielt anzugehen“, so Cécile Weidhofer.
Für unsere Demokratie vor Ort
Vereinbarkeit gelingt nicht im Alleingang. Es braucht Vernetzung – innerhalb der Kommune ebenso wie über kommunale Grenzen hinweg. Verschiedene Ebenen und Akteur*innen müssen einbezogen werden, um gemeinsam tragfähig Strukturen zu schaffen. Denn nur, wenn alle an einem Strang ziehen, können Strukturen entstehen, die echte Mitgestaltung ermöglichen – und das stärkt unsere Demokratie vor Ort. Der Planer zeigt, wie die Zusammenarbeit der verschiedenen politischen Ebenen gelingen kann – von der Bundespolitik, kommunalen Spitzenverbänden bis hin zu Zivilgesellschaft und Forschung.
Gute Praxis weiterhin sichtbar machen
Die aktuelle Diskussion im Bundestag zeigt, wie dringend das Thema ist – und dass bessere Vereinbarkeit in der Politik nicht nur in Berlin, sondern überall beginnen muss. Kommunen, die bereits erfolgreiche Maßnahmen erprobt haben, sind eingeladen, ihre Erfahrungen zu teilen: Im Rahmen des gemeinsam mit dem Deutschen LandFrauenverband umgesetzen Projekts Frauen.Vielfalt.Politik. bereitet die EAF Berlin gute Praxisbeispiele auf und macht sie auf www.frauen-vielfalt-politik.de sichtbar – damit noch mehr Kommunen von erfolgreichen Ideen profitieren können.
Hintergrund
Der Planer baut auf der Studie „Mit Kind in die Politik - Gute Praktiken für die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und kommunalpolitischem Ehrenamt“ von Cécile Weidhofer, Dorothea Walchshäusl und Sarah Friedrich (2023) auf. Die Inhalte wurden im Juli 2025 überarbeitet. Beides ist entstanden im Rahmen des Helene Weber-Kollegs, eines Projekts der EAF Berlin mit Förderung durch das Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ).