Mehr Vielfalt im Ehrenamt!

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Die EAF Berlin und der Württembergische Landessportbund e.V. veröffentlichen Ergebnisse einer Mehrmethodenstudie zu Vielfalt im ehrenamtlich organisierten Sport in Baden-Württemberg und leisten somit auch einen Beitrag zur Engagement-Forschung. Zentrale Ergebnisse der Studie zeigen, dass aktuell die ehrenamtlichen Gremien und Funktionsträger*innen im Breitensport vielfach bestimmte gesellschaftliche Gruppen nicht repräsentieren und Sexismus, Rassismus und andere Diskriminierungsformen abgebaut werden müssen.
Sportvereine sind Orte, an denen Teamgeist und Gemeinschaft gelebt werden. Menschen unterschiedlicher Generationen treffen hier aufeinander und gestalten sowohl in Baden-Württemberg als auch deutschlandweit Sport- und Gemeinschaftsangebote aktiv mit. Ohne ehrenamtliches Engagement wären diese Angebote in ihrer Vielfalt nicht möglich. Viele Vereine stehen dabei vor der Herausforderung, Nachwuchs für diese wichtige Arbeit zu gewinnen und zu halten.
In Baden-Württemberg leben Menschen verschiedener Geschlechter, Altersgruppen, Migrationsgeschichten, Herkunft, Fähigkeiten und sexueller Orientierung zusammen. Zusammenhalt, Solidarität und gesellschaftliches Miteinander müssen immer wieder neu mit Leben gefüllt werden. Dazu trägt die Vereinslandschaft als Teil der Zivilgesellschaft maßgeblich bei. Gleichzeitig ist der Zugang zu Vereinen nicht für alle gleich, weshalb Sportvereine und -verbände seit Längerem daran arbeiten, Barrieren abzubauen und den Breitensport inklusiver zu gestalten. Mehr unterschiedliche Menschen für ein Ehrenamt zu begeistern, kann sich nicht zuletzt auch positiv auf die angespannte Nachwuchssituation auswirken.
Die Ergebnisse der vorliegenden Studie der EAF Berlin im Auftrag des WLSB unterstreichen die zentrale Rolle, die Sportvereine für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, die Gesundheitsförderung und die Gemeinschaften vor Ort haben. Sie zeigen auch, dass dies ohne ehrenamtliche Arbeit nicht möglich wäre.
Gleichzeitig belegt die Studie, dass aktuell nicht alle Menschen den gleichen Zugang und die gleichen Teilhabemöglichkeiten an ehrenamtlichen Funktionen in Sportvereinen, Sportkreisen und Sportverbänden haben. Bestimmte gesellschaftliche Gruppen wie Frauen, Jüngere, Menschen mit Migrationshintergrund, solche mit Behinderung oder chronischer Erkrankung, Personen ohne akademischen Abschluss und insbesondere queere Personen sind in den Gremien deutlich unterrepräsentiert. Es ist davon auszugehen, dass dies auch auf die Mitglieder in einem Teil der Vereine zutrifft.
Die Gründe dafür sind komplex und können gesellschaftlich, strukturell und individuell bedingt sein. Innerhalb des ehrenamtlich organisierten Breitensports hat es sowohl mit den gängigen Zugangswegen und persönlichen Anknüpfungspunkten als auch mit den Rahmenbedingungen innerhalb der Vereinslandschaft zu tun, dass bestimmte Personen und Gruppen es einfacher haben, sich einzubringen, als andere. Einigen dieser Hürden kann durch die Vereine vor Ort aktiv und erfolgversprechend begegnet werden.
Darüber hinaus erleben bestimmte Gruppen und Personen mit höherer Wahrscheinlichkeit und Frequenz Ausschlüsse oder Benachteiligung und werden daher diskriminiert. Fast jede dritte befragte Person hat derartiges schon beobachtet. Am häufigsten sind dabei geschlechterbasierte Benachteiligung und Sexismus.
Aber auch andere Ungleichbehandlungen, Vorurteile und Ausschlüsse, etwa aufgrund des Alters, der Migrationsgeschichte, Hautfarbe oder des Queerseins stellen ein ernst zu nehmendes Problem dar. Viele Vereine arbeiten bereits kontinuierlich daran, zugänglicher und niedrigschwelliger für alle Menschen zu werden und Benachteiligungen abzubauen. Nicht selten sind sie dabei mit bürokratischen Hürden und starren gesetzlichen Vorgaben konfrontiert. Für die Verbesserung der Repräsentation vor Ort bedarf es also unter anderem auch eines entsprechenden politischen Willens. Gleichzeitig kann nur durch die kontinuierlichen Bemühungen vor Ort Inklusion und Repräsentation erreicht werden und somit auch den vorhandenen Nachwuchsproblemen aktiv und nachhaltig begegnet werden.
Die vorliegende Broschüre stellt in kompakter Form die zentralen Ergebnisse der Studie vor und leitet daraus konkrete Empfehlungen für Sportvereine ab. Diese werden ergänzt um Hinweise zu good practice Beispielen und unterstützenden Angeboten des WLSB.

