Interview: „Raus aus der Komfortzone und Netzwerke aktiv nutzen“ EAF-Vorstandsmitglied Renate Lohmann im Gespräch

Warum ist es sinnvoll die eigene Karriere zu planen? Welche Bedeutung haben Netzwerke für die berufliche Entwicklung? Sind Frauen die besseren Führungskräfte? Erfahren Sie mehr darüber im Gespräch mit Renate Lohmann.

Renate Lohmann ist Vorstandsmitglied der EAF Berlin und Geschäftsführerin der Femtec.GmbH. Die internationale Karriereplattform für Frauen in Ingenieur- und Naturwissenschaften ist ein Tochterunternehmen der EAF Berlin und der Technischen Universität Berlin.

Frau Lohmann, welche Tipps geben Sie Frauen mit auf den Weg, die beruflich erfolgreich durchstarten wollen?
Obgleich Flexibilität wichtig ist, gilt die Faustformel: Je konkreter der Karriereplan, desto besser. Dabei muss nicht jeder Schritt ins Kleinste durchgeplant sein. Aber es ist hilfreich, früh eine Stoßrichtung zu definieren und die Karriere aktiv voranzutreiben. Erst mit einem Ziel vor Augen kann man schließlich den passenden Weg wählen und diesen auch gehen. Je genauer eine Frau weiß, was sie will, desto präziser kann sie darauf zu arbeiten, Kontakte akquirieren und ihr Netzwerk einsetzen.

Wie baut man sich ein Netzwerk auf?

Frauen sollten sich aus Ihrer Komfortzone hinaus bewegen, wenn es ums Netzwerken geht. Viele neigen dazu, sich mit Gleichgesinnten zu verbünden. Das führt allerdings häufig dazu, dass Frauen eher mit anderen Frauen Kontakt aufnehmen, die in etwa auf der gleichen hierarchischen Ebene stehen wie sie selbst. Das ist zwar auch wichtig, denn auch diese Frauen können großes Potenzial in sich tragen und irgendwann wichtige Kontakte sein. Aber darauf sollte man sich nicht ausruhen. Mein Tipp: Orientieren Sie sich nach oben, hin zu den Führungskräften und Vorständen und ergreifen Sie die Initiative. Wenn Sie mit einem Vorstandsmitglied ins Gespräch gehen können, dann tun Sie das. Es wäre schade, wenn so eine Gelegenheit aus Unachtsamkeit oder Schüchternheit ungenutzt bleibt.

Wie kann ich mein Netzwerk am effektivsten für meine berufliche Entwicklung nutzen?

Entscheidend ist: Wir vernetzen und verbinden uns ein Berufsleben lang.  Das hört nicht irgendwann auf. Manche nutzen ihre Kontakte für jeden Schritt auf der Karriereleiter, andere nutzen ihre Kontakte kaum. Allgemein rate ich Frauen dazu, offener dazu zu stehen, dass sie ihr Netzwerk aktiv nutzen. Dieser Nutznießer-Charakter, den das Netzwerken hat, ist manchen Frauen unangenehm. Das muss es aber nicht sein. Ganz im Gegenteil: wenn sie selbst Kontakte und Wissen vermitteln können, dann sollten sie das ebenfalls tun. Ihre Kontakte werden es Ihnen danken und Ihre individuelle Rolle innerhalb Ihres Netzwerks wird dadurch aufgewertet.

Die Femtec selbst ist ein großes Netzwerk. Wie stellt sich das zusammen?
Wir sind eine Karriereplattform und bieten Frauen in IT, in Ingenieur- und Naturwissenschaften ein umfassendes Careerbuilding-Programm. Wir arbeiten mit zahlreichen namhaften Partnern aus Wirtschaft und Forschung zusammen. Daraus ergibt sich ein innovatives, leistungsstarkes Netzwerk, das die Absolventinnen besonders in der Frühphase der Karriere erheblich unterstützt. Auch unsere Absolventinnen bilden ein starkes Netzwerk. Mittlerweile sind mehr als 400 Mitglieder im Femtec.Alumnae e.V. aktiv.

Wie finde ich den richtigen Arbeitgeber, der auch zu mir und meinen Fähigkeiten passt?
Ich empfehle zum einen, sich die Struktur der Unternehmen genau anzuschauen. Was ist bisher im Bereich Personal geschehen, gibt es Initiativen zur Förderung von Diversity, gibt es Ansätze, dass das Unternehmen bereit ist, seine Kultur zu verändern? Zum anderen ist auch der erste Eindruck beim Vorstellungsgespräch entscheidend. Man sollte das nutzen, um entscheidende Fragen zu stellen. Beispielsweise kann man den Klassiker unter den Fragen einfach mal umdrehen: Wo sehen Sie mich in fünf Jahren? Die Antwort wird viel darüber verraten, welche Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten für einen vorgesehen sind.

Wie ist es im Arbeitsalltag: Sind Frauen die besseren  Führungskräfte?
Um eine gute Führungskraft zu sein, braucht es sehr viele Eigenschaften. Technisches Fachwissen und hervorragende Noten sind bei uns klare Voraussetzungen. Darüber hinaus werden die Absolventinnen in unserem Careerbuilding-Programm auch in Hinblick auf ihre Führungsqualität geschult.  Aber ich glaube nicht, dass Frauen oder Männer besser sind. Ich glaube daran, dass es Frauen und Männer in Unternehmen braucht. Entscheidend ist es, Wege für Frauen zu ebnen, homogene Unternehmensstrukturen aufzubrechen und durch Vielfalt Innovation und Wachstum in Unternehmen zu befeuern.

Das Interview wurde veröffentlicht in:
INGenie 2016.
Das Karrieremagazin für Frauen in Technik, Wirtschaft und Wissenschaft, S. 39f.


Renate Lohmann ist seit Januar 2015 Geschäftsführerin der Femtec.GmbH, der internationalen Karriereplattform für Frauen in IT, Ingenieur- und Naturwissenschaften. Femtec bietet zielstrebigen Studentinnen ausgezeichnete Karriereperspektiven und qualifiziert und vermittelt exzellente MINT-Professionals. Zehn Namhafte Technologie-Unternehmen sowie führende wissenschaftliche Institutionen und die Technischen Universitäten im TU9-Verbund sowie die ETH Zürich sind Teil des Femtec Netzwerks. Die Femtec.GmbH ist ein Tochterunternehmen der EAF Berlin und der Technischen Universität Berlin. Weitere Informationen unter www.femtec.org.

 

 

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