Trauer um Jutta Limbach Ein Nachruf von Dr. Helga Lukoschat

Die EAF Berlin trauert um ihre langjähriges Kuratoriums-Mitglied Prof. Dr. Jutta Limbach. Sie hat unsere Arbeit von Anfang an begleitet und unterstützt. 

Jutta Limbach | Foto: Goethe-Institut e.V.
Jutta Limbach | Foto: Goethe-Institut e.V.

Liebe Ladies – so begannen oft ihre Reden.  Und die Aufmerksamkeit und Sympathie ihrer Zuhörerinnen war ihr sofort sicher. Jutta Limbach hatte eine unvergleichliche Stimme  - tief, etwas rau und doch melodisch. Der Schalk blitzte ihr nicht nur aus den Augen, sondern  er war auch hörbar, spürbar. Sie war eine scharfe Analytikerin, eine eloquente Rednerin, eine überzeugende Streiterin für ihre Sache. Es machte ihre keine Mühe die Argumente der Gegenseite auseinander  zu pflücken, doch Stimme und Habitus öffneten ihr immer die Ohren und Herzen.

Mit Jutta Limbach haben wir eine großartige, eine außergewöhnliche Frauen- und Gleichstellungspolitikerin verloren. Sie scheute nicht den Begriff Feministin und sie bekannte offen und offensiv: ja, ich bin eine Quoten-Frau.  Ihr war vollkommen klar,  dass die Quote dazu da ist, faire Zugänge für Frauen zu schaffen. Bewähren muss sich dann ohnehin jede an ihrem Platz. Und Jutta Limbach tat dies in herausragender Weise: als Rechtsprofessorin an der Freien Universität Berlin, als Berliner Justizsenatorin für die SPD  Anfang der 90er Jahre, als erste Präsidentin  des Bundesverfassungsgerichts in Karlsruhe und zuletzt als Präsidentin des Goethe-Instituts. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, dass 1994 der Artikel 3 Abs. 2 Grundgesetz um einen aktiven Gleichstellungsauftrag ergänzt wurde. Darauf berufen wir uns heute noch, wenn es um Gleichstellungsgesetze  in Wirtschaft und Gesellschaft geht.

Jutta Limbach war für viele in meiner Generation  Wegbereiterin, sie gab Mut und Orientierung.  Persönlich lernte ich sie bereits als junge Taz-Redakteurin Mitte der 80er Jahre kennen. Im Rahmen der Forschungsarbeit von Barbara Schaeffer-Hegel zum rot-grünen „Frauensenat“ war Jutta Limbach in gewisser Weise Objekt unserer wissenschaftlichen Begierde unter der Fragestellung, ob und wie sich die politische Kultur durch Frauen in Machtpositionen verändert. Später erlebte ich sie als couragierte Mitstreiterin in der Überparteilichen Fraueninitiative Berlin und schließlich als Mitglied des Kuratoriums der EAF Berlin. Sie hat unsere Arbeit von Anfang an begleitet und unterstützt. Ihre  wunderbare Rede auf unserem offiziellen Gründungskongress 1999 im Roten Rathaus ist unvergessen.  Am 10. September ist Jutta Limbach im Alter von 82 Jahren gestorben.

Liebe Lady, wir werden Dich sehr vermissen.

 

 

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