Bürgermeisterin aus Überzeugung Kommunaler Frauenkongress diskutiert, wie mehr Frauen in der Politik Wirklichkeit wird

Vereinbarkeit, Mentoring-Programme, Netzwerke: Das sind einige Vorschläge, die die gleiche Teilhabe von Frauen und Männern in der Kommunalpolitik möglich machen können. Bürgermeisterinnen aus ganz Deutschland trafen sich im September 2022 im Rahmen des "Aktionsprogramm Kommune" beim kommunalen Frauenkongress in Hildesheim, um sich zu vernetzen, Erfahrungen aus der Praxis zu teilen und Lösungsvorschläge zu diskutieren.

Bürgermeisterin aus Überzeugung – aber immer noch die Ausnahme

Unter dem Motto „Bürgermeisterin – aus Überzeugung!“ kamen 45 Bürgermeisterinnen zusammen. In Deutschland wird jedoch nur jedes 11. Rathaus von einer Frau geführt. In einer Videobotschaft machte Bundesfamilienministerin Lisa Paus daher gleich zu Beginn deutlich: „Mindestens die Hälfte der Macht auf allen Ebenen steht den Frauen zu!“. EAF-Vorstandsvorsitzende Dr. Helga Lukoschat zeigte, dass Unterrepräsentanz durch verschiedene ineinandergreifende Faktoren bedingt sei: Etwa durch die historische Entwicklung des Wahlrechts, traditionelle Rollenbilder und Aufgabenverteilung, oder dass Parteien oftmals noch sehr männlich geprägt sind. Alltagssexismus hält sich hartnäckig und Frauen werden öffentlich in ihrer Eignung für die Politik abgewertet.

„Ohne Frauennetzwerke wäre ich nicht da, wo ich heute bin“ - Claudia Felden, Bürgermeisterin Stadt Leimen

Doch wie kann sich dies künftig ändern? Alle sind sich einig: Frauennetzwerke sind entscheidend, wie auch Claudia Felden, Bürgermeisterin der Stadt Leimen und Helene Weber Preisträgerin auf dem Podium betont. Denn: „Es gibt die gläserne Decke, aber am besten durchbrechen wir sie, wenn wir solidarisch sind, wenn wir uns vernetzen“.

Auch Vereinbarkeit von Politik mit dem Privat- bzw. Familienleben wurde von allen Anwesenden als entscheidender Faktor angesehen. „Vereinbarkeit muss man auch fordern“, meinte Alexandra Gauß, Bürgermeisterin von Windeck. Sie meint: „Es sollte keine Veranstaltung mehr ohne Kinderbetreuung stattfinden“!

Mentoring-Programmen, wie sie das Bundesland Niedersachsen und das Aktionsprogramm Kommune – Frauen in die Politik! anbieten, sind ebenfalls konkrete Lösungsangebote: Interessierte Frauen und Kandidatinnen können einer erfahreneren Mentorin oder Mentor ihre Fragen rund um den Einstieg und das Bestehen in der Kommunalpolitik stellen. Die Einsteigerinnen können ihre Mentorin außerdem bei Terminen begleiten und sich selbst bei wichtigen Schritten beraten und unterstützen lassen. Damit können sich Frauen gegenseitig nachziehen und die Netzwerke aufbauen, die für Männer schon seit langem ein Selbstverständnis sind.

Viele Pläne schon in der Umsetzung

Die Bürgermeisterinnen wurden herzlich eingeladen, sich in den bereits bestehenden Netzwerken für Bürgermeisterinnen zu engagieren. Künftig soll auch die Gründung des ersten ostdeutschen Netzwerkes für Bürgermeisterinnen in Sachsen vorangetrieben werden. Der DStGB richtete bereits den Arbeitskreis „Frauen in Kommunen und Kommunalpolitik“ ein, um Netzwerke in den Bundesländern zu verstärken.

Nächster Frauenkongress in 2024 geplant

Durchgeführt wurde der 2. Frauenkongress kommunal durch den Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) zusammen mit dem Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund und dem Niedersächsischen Städtetag sowie der EAF Berlin und dem Deutschen LandFrauenverband e. V. (dlv) mit Förderung des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ).

Der nächste Frauenkongress kommunal soll 2024 stattfinden und die Anliegen der Bürgermeisterinnen sowie die Vernetzung untereinander weiterführen.

Über das Aktionsprogramm Kommune

Das Projekt Aktionsprogramm Kommune will den Anteil von Frauen in der Kommunalpolitik nachhaltig erhöhen. Zehn ausgewählte Partner-Regionen werden beraten und begleitet. Aktivitäten sind neben dem Mentoring-Programm beispielsweise Vernetzungs- und Qualifizierungsangebote für Bürgermeisterinnen oder ein überregionaler Erfahrungsaustausch zu guten Praktiken. Beraten werden die Regionen etwa zu verbesserten Rahmenbedingungen für die Partizipation von Frauen. Mehr Informationen: https://www.frauen-in-die-politik.com

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