An der medizinischen Front Yuliia Siedaia über die gesundheitliche Versorgung im Krieg

In der Ukraine herrscht Krieg, und die medizinische Front ist zweifellos eine der wichtigsten geworden.

Krankentransport nach russischem Beschuss (Foto: privat)

Bis heute sind in der Ukraine mehr als 770 Krankenhäuser beschädigt worden. Davon wurden 121 vollständig zerstört und können nicht wiederaufgebaut werden. Nur 35 Krankenhäuser konnten bereits vollständig wiederhergestellt werden und sind betriebsbereit. Mehr als 500 Apotheken wurden zudem beschädigt oder zerstört. Der geschätzte Gesamtschaden beläuft sich auf 683 Millionen Euro.

Leider wissen wir bis heute von 13 Todesfällen bei medizinischem Personal. 48 sind zudem schwer verletzt. Allerdings liegen uns keine Daten aus den besetzten Gebieten und den Gebieten vor, in denen aktive Angriffe von russischer Seite stattfinden. Da eine große Anzahl von zivilen Sanitäter*innen mobilisiert wurde, ist die Zahl der Toten wahrscheinlich höher.

Es ist sehr schwierig, die Arbeit des Gesundheitssystems in der Ukraine während des Krieges aufrecht zu erhalten. Dank der unerschrockenen, selbstlosen Arbeit unseres medizinischen Personals und der systematischen Entscheidungen der Organisationsleitung im Gesundheitssektor ist das System bisher nicht zusammengebrochen.

Mit Hingabe und Professionalität

In der Ersten Hilfe spielen die medizinischen Notfallteams der Ukraine sowie die neu geschaffene Einheit für Katastrophen-Medizin eine wichtige Rolle.

Die ukrainischen Ärzt*innen arbeiten mit Hingabe und Professionalität: Kein einziges chirurgisches oder traumatologisches Team hat die Gesundheitseinrichtungen, unabhängig davon, was in der Nähe dieser Einrichtung geschah, bisher verlassen. Gleichzeitig gibt es eine große Zahl von Fachärzt*innen, die mit Erlaubnis ihrer Vorgesetzten und der Militärverwaltung ihre frühere Einsatz-Regionen verlassen haben und nun in Gesundheitseinreichungen an anderen, sichereren Orten medizinische Versorgung leisten.

Dabei liegt die Hauptlast aktuell bei den Ärzt*innen für Allgemeinmedizin. In der gesamten Ukraine arbeiten die Menschen in den Zentren für medizinische Grundversorgung ununterbrochen und selbstlos unter den dynamischen Kriegsbedingungen. Auch wenn die Ärzt*innen müde und erschöpft sind, arbeiten sie zuverlässig, um die Gesundheit der Bevölkerung zu erhalten.

Provisorisch und überlastet

Die Allgemeinmedizin arbeitet in den Regionen Kiew, Sumy, Tschernihiw und Charkiv-Odessa unter besonders schwierigen Bedingungen: Viele Gesundheitseinrichtungen stehen dort unter anhaltendem Beschuss. In Lagerhallen, baufälligen oder provisorisch eingerichteten Untersuchungsräumen leisten Hausärzt*innen, Therapeut*innen und Kinderärzt*innen weiterhin medizinische Hilfe für alle, die sie brauchen. Sie beraten, untersuchen und verordnen nicht nur Behandlungen für Kinder und Erwachsene, sondern nehmen zudem oft Not-Entbindungen vor und kümmern sich um Neugeborene. Darüber hinaus bieten sie psychologische Unterstützung an und betreuen Patient*innen mit eingeschränkter Mobilität.

Die Allgemeinmedizin ist in den westlichen Regionen der Ukraine überlastet. Menschen sind sowohl in großen sowie kleinen Städten und Dörfern in den Regionen Zakarpattia, Lviv, Lutsk, Rivne, Ternopil, Khmelnytskyi und Chernivtsi auf der Flucht vor dem Krieg und müssen versorgt werden. Hausärzt*innen, Therapeut*innen und Kinderärzt*innen nehmen täglich sowohl ihre Patient*innen mit Meldebescheinigung als auch neue Patient*innen, also Binnenmigrant*innen ohne Meldebescheinigung, auf. Jede Person, die einen Antrag stellt, erhält dort die jeweils benötigte Beratung, Untersuchung, sowie Versorgung mit "verfügbaren Medikamenten" oder Insulin.

Yuliia Siedaia ist Wissenschaftlerin und Beraterin im Oblast Charkiv mit den Schwerpunkten Gender Equality und Gesundheit. Sie war zudem in der „Academia of Women Leadership“ aktiv. Seit Juni 2022 arbeitet sie als Stipendiatin der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in der EAF Berlin.

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